Förderprogramm zur Rettung des Zitronenzeisigs in Baden-Württemberg

Artenschutz – Biologische Vielfalt

Der Zitronenzeisig gehört zu den seltensten und rückläufigsten Brutvogelarten Baden- Württembergs. Kam er einst im gesamten Schwarzwald und bis zur Schwäbischen Alb vor, befindet sich aktuell mit rd. 20 Brutpaaren im Südschwarzwald das einzige Vorkommen innerhalb des Landes. Verantwortlich für den dramatischen Rückgang ist die durch Umwelt- und Lebensraumveränderungen bedingte ungünstige Nahrungssituation sowie die durch Milben verursachte, größtenteils tödlich verlaufende Kalkbeinräude.

Das gesamte Rettungsprogramm, das in Teilen von der Stiftung Naturschutzfonds sowie von der Artenschutzoffensive Baden-Württemberg (ASO, s. Kasten rechts) gefördert wurde, bildete eine Kombination aus Forschung und praktischen Schutzmaßnahmen und zeigte schnell Erfolg. Der weitere Zusammenbruch der Population konnte bislang verhindert werden. Die Zahl der Brutpaare hat sich stabilisiert und zeigt eine leicht positive Entwicklung. Durch die frühzeitige Identifizierung der Kalkbeinräude konnten befallene Vögel behandelt werden. Wichtige Lebensräume wurden durch die Entwicklung großflächiger extensiver Rinderweiden in den Hochlagen gezielt verbessert. Sie schaffen offene, abwechslungsreiche Vegetationsstrukturen mit einem guten Nahrungsangebot und geeigneten Brut- und Rückzugsbereichen. Wissenschaftlich lieferte das Projekt neue Erkenntnisse, die bereits in Schutzprogramme anderer mitteleuropäischer Populationen einfließen.

Um die Raumnutzung der Vögel zu erfassen, wurde zusätzlich zu klassischen Kartierungen und Beringungen auch die Verwendung von Horchboxen gefördert. Die Aufnahme und Auswertung der Bioakustik der Zitronenzeisige ermöglichte dabei die Erfassung von Ankunftszeiten und Aktivitätsmustern insbesondere in schwer zugänglichen Bereichen und störsensiblen Zeiten im Jahresverlauf.

Das Modellprojekt zeigt, wie auch sehr kleine Restpopulationen mit gezielten direkten Maßnahmen erhalten werden können. Doch der Zitronenzeisig ist im Schwarzwald noch nicht gesichert. Damit die bisherigen Erfolge Bestand haben, müssen die begonnenen Maßnahmen konsequent fortgeführt werden. Dazu gehören vor allem der weitere Ausbau extensiver Rinderweiden, die Verbesserung des Nahrungsangebots mittels strukturreicher Übergänge zwischen Wald und Offenland sowie ein langfristiges Monitoring.

Projektübersicht

  • Projektlaufzeit: Januar 2023 bis März 2026
  • Projektträger: Regierungspräsidium Freiburg, Referat 56
  • Zuwendungshöhe: rd. 200.000 Euro
  • Finanziert aus: Erträgen der Glücksspirale
  • Landkreise: Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach, Waldshut