Der Zitronenzeisig gehört zu den seltensten und rückläufigsten Brutvogelarten Baden- Württembergs. Kam er einst im gesamten Schwarzwald und bis zur Schwäbischen Alb vor, befindet sich aktuell mit rd. 20 Brutpaaren im Südschwarzwald das einzige Vorkommen innerhalb des Landes. Verantwortlich für den dramatischen Rückgang ist die durch Umwelt- und Lebensraumveränderungen bedingte ungünstige Nahrungssituation sowie die durch Milben verursachte, größtenteils tödlich verlaufende Kalkbeinräude.
Das gesamte Rettungsprogramm, das in Teilen von der Stiftung Naturschutzfonds sowie von der Artenschutzoffensive Baden-Württemberg (ASO, s. Kasten rechts) gefördert wurde, bildete eine Kombination aus Forschung und praktischen Schutzmaßnahmen und zeigte schnell Erfolg. Der weitere Zusammenbruch der Population konnte bislang verhindert werden. Die Zahl der Brutpaare hat sich stabilisiert und zeigt eine leicht positive Entwicklung. Durch die frühzeitige Identifizierung der Kalkbeinräude konnten befallene Vögel behandelt werden. Wichtige Lebensräume wurden durch die Entwicklung großflächiger extensiver Rinderweiden in den Hochlagen gezielt verbessert. Sie schaffen offene, abwechslungsreiche Vegetationsstrukturen mit einem guten Nahrungsangebot und geeigneten Brut- und Rückzugsbereichen. Wissenschaftlich lieferte das Projekt neue Erkenntnisse, die bereits in Schutzprogramme anderer mitteleuropäischer Populationen einfließen.

